Adventsbrief 2021

 
 

An alle Geschwister der Oasen – Realitäten der
Koinonia Johannes der Täufer

Christus ist auferstanden!

„Hoffen wir aber auf das, was wir nicht sehen, dann harren wir aus in Geduld.“
(Röm 8,25)

Liebe Schwester und lieber Bruder,

der Advent ist die Zeit der Erwartung auf die Geburt Jesu. Weihnachten ist ein historisches Ereignis, das sich vor circa zweitausend Jahren, in einem abgelegenen Winkel des Römischen Reiches, in einem kleinen Volk mit einer langen Geschichte, dem Volk Israel, zugetragen hat. Dieses Volk lehrt uns, mehr als jedes andere, die Wichtigkeit der Zeit und somit, die der Erwartung zu verstehen.

Das prophetische, aus dem Herzen des Herrn hervorgegangene Wort, soll angenommen und durch die Zeit hindurch bewahrt werden. Sowie ein Samenkorn in der Erde, das wenn es zugrunde geht, d.h. wenn es scheint, dass sich nichts realisiert, zu einer neuen Pflanze wird. So kommt auch das prophetische Wort an einen toten Punkt, in dem es leer und fruchtlos erscheint. Für das Volk Israel war dieser tote Punkt von jahrhundertelanger Dauer.

Die Zeit zwischen der Verheißung und ihrer Erfüllung ist somit von einem bedingungslosen Vertrauen in Den geprägt, der verheißen hat. Dieses Vertrauen finden wir in unserem Vater Abraham. Er wusste, was er zurückließ, wusste aber nicht, was auf ihn zukam, und so ließ er sich Tag für Tag von der Stimme des Herrn leiten und motivieren; „Denn er erwartete die Stadt mit den festen Grundmauern, die Gott selbst geplant und gebaut hat“ (Hebr 11,10).

Liebe Geschwister, in dieser Reifezeit werden wir davon gereinigt, den Platz des Herrn einnehmen zu wollen, d. h. unsere Pläne, nach unserer Sichtweise und Interpretation der Realität, umsetzen zu wollen, so wie es Abraham tat, als er dem Vorschlag seiner Frau Sarah, einen Sohn von ihrer Sklavin zu haben, zustimmte.

Es ist typisch für diese Zeit, Alternativen zum Wirken des Herrn zu suchen, indem Antworten und eigene Lösungen für „noch ungelöste“ Probleme gefunden werden und das mit Vorurteilen, Unzufriedenheit und Geschwätz; alles innere Haltungen, die sich dem Gemeinschaftsgeist widersetzen.

Ich ermutige euch also, euch dieser Erwartungszeit nicht zu entziehen, sondern sie in voller Gemeinschaft mit dem Herrn und untereinander, mit erneuerter Begeisterung zu leben, im Bewusstsein, dass Jesus treu ist und trotz unserer Mängel, „sein herrliches Werk“, wie Er es in der Prophetie von Camparmò nennt, erfüllen wird.

Nur indem wir vereint bleiben und ausharren, wird es uns gelingen, Seine Gegenwart und Sein Werk in uns und unter uns zu erkennen, damit Jesus nicht das zu uns sagen muss, was er es zur Heiligen Stadt Jerusalem sagte: „Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was Frieden bringt. Jetzt aber ist es vor deinen Augen verborgen (…), weil du die Zeit deiner Heimsuchung nicht erkannt hast“ (vgl. Lk 19,42.44).

Möge uns der Herr dieses Weihnachten, in Gemeinschaft mit dem erneuerten Klima der Synodalität der universalen Kirche, besuchen und uns so neuen Schwung in der Evangelisierung, neue Berufungen, einen Schritt nach vorne im Bereich der Bildung und Strukturierung geben und, vor allem, unsere Freundschaft und unsere familiären Beziehungen erneuern.

Mit dem Vertrauen, dass Jesus uns mit Seiner Geburt weiterhin überraschen wird, grüße ich dich herzlichst und wünsche dir einen gesegneten Advent und frohe Weihnachten.

Even Sapir, 25. November 2021

P. Giuseppe De Nardi
Generalhirte